Bandung - Yogyakarta

Warum haben wir uns für die geführte Tour entschlossen? Ein Grund war, dass wir zuvor im Internet recherchiert haben. Für Ausländer, die nicht die Sprache der jeweiligen Region sprechen, soll es das Grauen sein, Zugfahrkarten zu kaufen.

Eigentlich wollten wir über weite Strecken umweltfreundlich mit der Bahn reisen, denn auf Java verkehrt Indonesiens einzige Bahnstrecke. Erbaut von den Holländern. Dass dieser Plan nicht aufgeht, wurde uns in Jakarta klar, als Iis über unsere gemeinsamen 2 1/2 Wochen nächsten sprach.

Nono, der uns den ganzen Tag herumgefahren hat, ist in der Nacht mit dem meisten Gepäck nach Yogya, wie die Stadt genannt wird aufgebrochen. 13 - 15 Stunden wird er für die 420 km brauchen.

Wir dagegen haben den Jetlag endlich überwunden und werden von Iis und einem anderen Fahrer abgeholt und zum Bahnhof gebracht.

Wir werden es sehr bequem haben, denn wir reisen in der sogenannten Executive-Class. Anders wäre es auch nicht möglich, da auf dieser Strecke nur Luxuswagen eingesetzt werden. Breite Sessel, Fernseher flimmern an den Wänden, es gibt Bordservice.

Was noch auffällt: der Bahnhof von Bandung ist sehr sauber und gepflegt.

Durch stehende Züge wandert man durch, um zum nächsten Gleis zu gelangen, auch das Queren der Gleise ist normal.

Kleine Mädchen müssen einen der zahllosen Bahnbediensteten fragen, wenn etwas auf die Gleise gefallen ist. Alle anderen holen sich die Sachen selbst.

Die Fahrgäste werden von ausreichend Personal kontrolliert, zu deren Schutz auch mehrere Polizisten anwesend sind.

Es gibt Stehtoiletten, die alle 5 Minuten gereinigt werden. Für 2 Waggons ist ein Mann zuständig.

Der Bordservice läuft ständig durch den Zug und nimmt Bestellungen auf. Der geordete Kaffee ist allerdings widerlich süß. Ungezuckerten gibt es nicht.


Die Fahrt führt durch Bandung und seine chronisch verstopften Straßen. Dann durch die Vororte und endlich wird die Landschaft einigermaßen unbebaut. Reisefelder und Dörfer wechseln sich ab, die Gegend wird hügeliger und wir fahren durch ein Gebirge.


In größeren Orten stoppt der Zug für ein paar Minuten. Man kann aussteigen und sich die Beine vertreten.

Bei einem dieser Aufenthalte, in Cibeundey, etwa 2,5 Stunden nach Fahrtbeginn, dauert der Halt etwas länger. Der Zug wird hier nämlich technisch überprüft, das Frischwasser wird aufgeüllt. Ein Bremsenlöser schaut nach, ob die Bremsen in Ordnung sind.

Es vergehen keine 5 Minuten nach diesem Stopp, als es unter uns mächtig zu klappern und rumpeln anfängt. Unter den Zugbegleitern herrscht Ratlosigkeit. Der Zug stoppt nicht, er fährt weiter. Etwas schlägt gegen den Waggonboden. Es klingt, wie Metall.

Jemand will gesehen haben, wie kurz zuvor ein paar Gleisarbeiter einen Hang hinuntergerannt sind. Aber was wirklich passiert ist, weiß keiner.


Nach 20 Minuten hält der Zug auf freier Strecke. Die Zugbgleiter brauchen eine Weile, dann halten sie einen total verbogenen Metallstab in die Höhe, der wird auch den Fahrgästen gezeigt.

Ohne weitere Störung erreichen wir nach 7,5 Stunden schließlich den sauberen Dorfbahnhof Yogya (Alles, was unter 3.000.000 Einwohner hat, wird als Dorf bezeichnet, Yogya hat nur 300.000.

Einen Tag später lesen wir in der Zeitung, dass der Zug auf der Rückfahrt von Malang nach Yogyakarta entgleist ist. Es hat zum Glück keine Verletzten oder gar Tote gegeben.


Nono grinst uns entgegen. Er deutet auf seine Uhr. Wir haben Verspätung, soll das bedeuten. Im Dorf geht es verkehrstechnisch genauso zu, wie in Jakarta.


Das Hotel bietet ein Abendbuffet am Pool an. Trotz der wenigen Gäste wird alles aufgefahren, was die Küche bietet. Dabei ist auch einiges, was für uns Europäer gewöhungsbedürftig ist.

Ich habe mich sehr auf den Sate-Stand gefreut, die dort ausgelegten Spieße waren doch eher exotisch. So werden Hühner komplett verzehrt. Es ist dennoch lustig herauszufinden, was ich alles nicht esse werde. Der Koch kann es mir nicht erklären, ein weiterer reibt sich den Bauch. Doch er will mir nicht klar machen, dass die etwas seltsam geschlängelten Sate-Spieße gut schmecken. Ich begreife endlich, dass es Hühnerdärme sind.

Dennoch gelingt es den Köchen nicht, mich davon zu überzeugen, dass die Krallen und die Köpfe eine absolute Spezialität sind.

Ich bedienen mich lieber lächelnd an der Erdnusssoße und esse dazu Gado Gado - verschieden zubereitetes Gemüse.

Wir werden beide mehr als satt, denn es gibt genügend andere Auswahl. Auch Fleisch ist dabei. Für das wirklich leckere Buffet zahlen wir umgerechnet 7,50 € pro Person.