Fahrt nach Bandung

Es gibt eigentlich nur einen Grund für einen Aufenthalt in Jakarta: den Jetlag einigermaßen zu überwinden. Besonders sehenswert ist die Stadt nicht. Zudem kommt man nicht gut voran, da es im Gegensatz zB. zu Bangkok über keinen nennenswerten öffentlichen Nahverkehr verfügt. Es gibt ein paar Buslinien, die seperate Fahrspuren nutzen - TransJakarta - alle anderen Busse und Taxis stehen im Stau.

 

Wir fahren heute weiter nach Bandung, eine Strecke von 180 km. Einen Zwischenstopp legen wir in Bogor ein.

Karten von OpenRouteService
Karten von OpenRouteService

Obwohl Bogor die regenreichste Stadt Javas ist, leidet der Botanische Garten etwas unter Trockenheit.

Iis klärt uns auch auf, dass Flughunde bei manchen Indonesiern sehr beliebt sind. Sie landen auf dem Teller, aber nur die, die Pflanzen fressen. Fliegenfresser und Blutsauger sind nämlich nicht koscher. Vielleicht waren das gestern ja gar keine Tintenfische???

Wir stoppen in einem hübschen Dorf, vielleicht 50 km südlich von Bogor. Ein Mann fertigt dort Bambusmatten an. Er hat einen Großauftrag aus Saudi-Arabien bekommen, berichtet er stolz. Seitdem er Internet hat, bekommt er oft größere Aufträge. Außerdem ist er berühmt für seine Qualitätsarbeit.

An einem Arbeitstag schafft er eine dieser Matten. Sie werden für Wände oder Dächer genutzt.

Wir dürfen an seine Maschine, sind aber viel zu ungeschickt. Damit wir seine Arbeit nicht zerstören, lassen wir es lieber sein.


Das Dorf ist wirklich schön. Ich bitte Nono anzuhalten, damit ich fotografieren kann. Wieder werden wir zum Fotomotiv. Kinder laufen herum, rufen: "Hallo Mister!", um sich dann zu verstecken. Iis, die sich hier nicht auskennt, führt uns durch ein paar Gassen. Ein größeres Haus zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie klopft an, fragt, ob wir rein dürfen.




Es ist dunkel und es riecht nach Holzkohle und Stahl. Ein Kessel steht auf der Kohle. Wir sind in einer Schmiede, in der noch Messer von Hand hergestellt werden. Auch hier bekommen wir alles gezeigt. Niemand fragt, ob wir nicht im Laden um die Ecke etwas kaufen wollen. Die Leute unterhalten sich einfach gerne.

Wir fahren durch das Hochland. Die Reisterrassen weichen Teeplantagen. Iis zeigt uns die Arbeit als Teepflückerin. Alle Plantagen sind staatlich, sodass die Menschen von der Arbeit leben können. Hier sind die 1.500.000 Rp. mehr wert. Zudem arbeiten die Männer meist in der Teefabrik.

Die Bilder sind mit einem Klick vergrößerbar.

Wir waren schon oft in Ländern, in denen eine etwas andere Fahrkultur als in Deutschland herrscht. Indonesien, insbesondere Java toppt alles.
Eine unglaubliche Blechlawine schiebt sich in beide Richtungen.
Dabei nutzen die Fahrer(innen) jeden Vorteil für sich aus. Glauben sie, rechts geht es schneller, drängen sie sich nach rechts. Wie alle anderen auch. Dadurch ist zehn Sekunden später die linke Spur entlastet, also geht es nach links. Dies geschieht unter Zuhilfenahme sämtlicher technischer Hilfsmittel, wie Hupe, Fernlicht, Lenkrad Gas, Gestik und Bremse.
Zur Not wird über den Fußgängerstreifen ausgewichen, nur um eine Fahrzeuglänge zu gewinnen. Das kann der überholte Fahrer gar nicht ab, weswegen er nun seinerseits überholt. Das Einscheren hat ebenfalls seine eigenen Gesetze. Es wird einfach eingeschert, beide Fahrer geben Gas, so lange, bis einer aufgibt.
Aber der muslimische Glaube, so Iis, besagt Folgendes: Wenn ich heute nichts verkaufe, und mein Nachbar mehr verkauft, bin ich nicht neidisch, denn morgen - Insch Allah - verkaufe ich mehr.  Bei diesem Kampf gibt es also keine Verlierer, denn was einem jetzt nicht gelingt, schafft man beim nächsten Manöver.
Apropos Verlierer. Eigentlich verlieren alle, denn über lange Zeit geht dann gar nichts mehr.
Zu den Autos gesellen sich tausende von Mopeds, die ebenfalls zum Chaos beitragen. Sie schlängeln sich akrobatisch durch die Lücken, die alleine durch Unachtsamkeit entstanden sind und von den Hintermännern mit einem Hupkonzert geahndet wird.


In einem Dorf (alles, was unter 1,5 Millionen Einwohner hat, ist keine Stadt!), indem Sandstein abgebaut wird, geht gar nichts mehr. So stehen wir also durch das verstaubte Dorf, indem alle Kinder Atemwegsprobleme haben und die Krebsrate deutlich erhöht ist.
Apropros Manöver. Grund ist ein überbreiter Militärkonvoi, der 2 Panzer transportierte und sich rücksichtslos seinen sehr langsamen Weg bahnte und so das Chaos verzehnfacht.

Während wir warten, beobachte ich einen Mann, der eine Reifenwerkstatt betreibt. Alles, was nicht geplatzt ist, scheint wiederverwertet zu werden. Er müht sich ewig lange mit einem Reifen ab, umsonst. Er kriegt ihn nicht dicht.

Der LKW-Fahrer, der den Reifen dringend braucht, ist sauer und wird noch saurer, als er nicht auf die Straße kommt.

Es sind unzählbar viele dieser rollenden, notorisch überladenen Lastkipper unterwegs. Das Bild des leicht abgefahrenen Reifens ist ein Vorderrad eines dieser LKWs.

Bandung ist eine Kleinstadt mit 3.000.000 Einwohnern. Wir machen einen Abendspaziergang, müssen ein paar Straßen überqueren. So langsam gewöhnen wir uns an den Verkehr, machen es anderen nach. Heben einfach den Arm und laufen los. Wir überleben.